Mühlen im Mahlstrom

Energiepreise machen Müllern zu schaffen

25.11.2022 | Landkreis/Bruckberg.
Handwerkliche MühHandwerkliche Mühlen müssen für ihren Strom mehr bezahlen als ihre industrielle Konkurrenz. Der Bayerische Müllerbund, vertreten durch den Vorsitzenden Rudolf Sagberger (r.), und Geschäftsführer Dr. Josef Rampl (2.v.l.), fordern deshalb e
Handwerkliche MühHandwerkliche Mühlen müssen für ihren Strom mehr bezahlen als ihre industrielle Konkurrenz. Der Bayerische Müllerbund, vertreten durch den Vorsitzenden Rudolf Sagberger (r.), und Geschäftsführer Dr. Josef Rampl (2.v.l.), fordern deshalb e

Seit Jahrhunderten wird in der Region Landshut Getreide zu Mehl gemahlen. Die Mühlen nutzen dabei noch heute die Kraft des Wassers, um Strom zu produzieren. Ein Aus dieser kleinen Wasserkraftwerke konnte gerade noch abgewendet werden. Doch nun machen die gestiegenen Energiepreise dem Traditionshandwerk zu schaffen. Mit den Müllermeistern Rudolf und Thomas Sagberger sprachen die CSU-Abgeordneten Florian Oßner und Helmut Radlmeier sowie Vertreter der CSU Bruckberg um Ortsvorsitzenden Bernhard Jauck in der Bartmühle über Lösungen.

Die CSU-Delegation wurde auch von Dr. Josef Rampl, dem Geschäftsführer des Bayerischen Müllerbundes e.V., und Fritz Schweiger, dem Vorsitzenden der Vereinigung Wasserkraftwerke in Bayern (VWB) e.V, begrüßt. Seit einigen Monaten stehen die Vertreter des Müllerbundes und der Vereinigung der Wasserkraftwerke in intensivem Kontakt mit den Abgeordneten Radlmeier und Oßner. Der Grund: Im Zuge einer Änderung des Erneuerbaren-Energien-Gesetzes (EEG) wollte die Bundesregierung kleine Wasserkraftanlagen nicht mehr fördern.

Schlag gegen kleine Wasserkraft abgewendet       

Über 7.000 Anlagen in Deutschland wären damit vor dem Aus gestanden. "Anstatt die nachhaltige Wasserkraft zu fördern und sie als Baustein zur Überwindung der Energiekrise zu sehen, wollte man diese aus ideologischen Gründen aus dem Markt nehmen", fasste Bundestagsabgeordneter Florian Oßner zusammen. Doch der breite Protest von Verbänden und der CSU zeigte Wirkung - in letzter Minute: "Durch den Druck ruderte die Ampelregierung zurück. Die Marktfähigkeit konnte erhalten bleiben", schilderte Oßner. "Ich bin sehr erleichtert, dass uns das gelungen ist. Die kleine Wasserkraft ist damit vorerst gerettet", bekräftigte Landtagsabgeordneter Radlmeier. "Gott sei Dank", wie Rudolf Sagberger, Präsident des Bayerischen Müllerbundes, anfügte. Die aktuelle Lage zeige, wie wichtig jedes Kraftwerk sei. Jede Kilowattstunde werde benötigt.

Neue Herausforderung Strompreis


So groß die Freude und der Dank bei den Vertretern der Müller und der Wasserkraftwerksbesitzer war und ist: Nun droht ihnen bereits der nächste Schlag ins Kontor. "Jetzt brennt es beim Strompreis", schilderte Sagberger. "Mir droht hier in der Bartmühle, für jede Kilowattstunde, die ich nicht selbst erzeugen kann, ein dreimal so hoher Strompreis. Das sind Kosten, die ich nicht weitergeben kann". Die beschlossene Strompreisebremse helfe nur wenig. Denn sie unterscheidet zwischen Industrie und Handwerk. Erstere müsse weitaus weniger für den Strom zahlen. Diese Unterscheidung in Industriestrom und gewerblichen Strom dürfe nicht sein. Das sei eine Wettbewerbsverzerrung, war man sich einig. Haushaltspolitiker Oßner forderte deshalb: "Wir müssen alle schützen, denn schließlich bedienen sie die gleichen Märkte. Industriestrom und gewerblicher Strom dürfen nicht ungleich behandelt werden. Ansonsten erleben wir in Bayern und Deutschland ein beispielloses Firmensterben."  

Das müsse dringend geändert werden. Dem traditionsreichen Müllerhandwerk in der Region drohe sonst das Aus - nach vielen Jahrhunderten. Die Bartmühle existiert seit dem Jahr 1465, die wenige Kilometer entfernte Ellermühle schon seit 1230. "Mit meinen Mühlen setze ich auf Regionalität. Das Getreide kommt ausschließlich von Landwirten aus den Landkreisen Landshut und Freising. Der Großteil der 30 verschiedenen Mehlsorten geht wiederum an die Handwerksbäckereien in der Region", erläuterte Sagberger. So ist ein geschlossener Kreislauf mit kurzen Wegen und Produkten in bester Qualität entstanden. Die Nachfrage an Mehl von dieser Güte ist groß: "Wir könnten an unseren beiden Mühlen rund um die Uhr produzieren - wenn wir das Personal dafür finden würden", so Sagberger. Sein Sohn Thomas ist ebenfalls eingestiegen und hat seine Ausbildung zum Müller als Bester in Deutschland abgeschlossen und ist inzwischen auch Müllermeister. Man müsse nun alles daransetzen, dass solche Familienbetriebe eine Zukunft haben, bekräftigten die CSU-Vertreter. Wie schon bei der Wasserkraft wolle man auf allen Ebenen für das heimische Handwerk eintreten.